„Interkommunales Stadtumbau-Management“ Nördliches Fichtelgebirge

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„Interkommunales Stadtumbau-Management“ Nördliches Fichtelgebirge
Sektor
Themenbereich Demographie
Staat Deutschland
Bundesland Bayern
Bezirk/Kreis
Projektpartner (Institutionen) Kirchenlamitz, Marktleuthen, Schönwald, Schwarzenbach a. d. Saale, Weißenstadt, Röslau, Markt Oberkotzau, Markt Sparneck, Markt Zell
Kontaktperson(en) Herr Thomas Schwarz (Bürgermeister Kirchenlamitz)
Projektwebsite http://www.werkstatt-stadt.de/de/projekte/229/
Projektstart (Jahr) 2006
Rechts- und Organisationsform Lose Kooperation
Preise und Auszeichnungen

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Koordinaten: 50° 9' 6.15" N, 11° 56' 59.37" E

Beschreibung

Die Region „Nördliches Fichtelgebirge“, in Ostbayern, umfasst die Städte Kirchenlamitz, Marktleuthen, Schönwald, Schwarzenbach a. d. Saale und Weißenstadt, die Gemeinde Röslau, sowie den Markt Oberkotzau, den Markt Sparneck und den Markt Zell. Die beteiligten Kommunen – als Unter- oder Kleinzentren eingestuft – weisen zwischen ca. 1.700 und ca. 7.800 Einwohner auf, insgesamt hat der Zusammenschluss ca. 35.000 Bewohner. Die neun Kommunen der Kooperation liegen in den beiden Landkreisen Hof und Wunsiedel im Raum „Hochfranken“, der zu den in besonderer Weise unter den Folgen des wirtschaftlichen Strukturwandels leidenden Regionen in Westdeutschland zählt. Der weitgehende Zusammenbruch der ehemals dominierenden Porzellan, Textil und Stein verarbeitenden Industrie hat zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten und in der Folge zu Abwanderungsprozessen geführt. Alleine zwischen 1995 und 2005 ist die Beschäftigtenzahl um 40 % von ehemals 11.500 auf 7.000 zurückgegangen. Im selben Zeitraum wies die Region einen Rückgang der Bevölkerung um 6,5 % oder 2.500 Einwohner auf. Die Folgen sind offensichtlich. Neben einer Vielzahl aufgelassener Industrieareale sind u. a. Leerstände und Unternutzungen von Wohn- und Infrastrukturgebäuden zu verzeichnen. Diese ausgeprägten städtebaulichen Missstände waren 2006 Anlass, die interkommunale Kooperation im Städtebauförderungsprogramm Stadtumbau West aufzunehmen und als Basis ein interkommunales Entwicklungskonzept „Zukunft Nördliches Fichtelgebirge“ erarbeiten zu lassen. Das 2007 fertig gestellte und von den Parlamenten der beteiligten Kommunen beschlossene Konzept stellt die Grundlage für vielfältige interkommunale und kommunale Aktivitäten zur Bewältigung des wirtschaftlichen und demografischen Wandels dar. Die interkommunalen Aktivitäten werden von einem 2008 eingesetzten Stadtumbau-Management koordiniert, dessen Aufgaben u. a. in der Prozessteuerung, Öffentlichkeitsarbeit, konzeptionellen Konkretisierung, der Umsetzung investiver Projekte sowie im Monitoring des Prozesses liegen.

Die interkommunale Zusammenarbeit von neun Kommunen im „Nördlichen Fichtelgebirge“ startete 2006 mit der Erarbeitung eines Interkommunalen Entwicklungskonzeptes, das neben einer breit angelegten Bestandsaufnahme ein Entwicklungsleitbild und ein Interkommunales Entwicklungskonzept umfasst. Das Konzept enthält wiederum Projektvorschläge für die Handlungsfelder „Städtebau und Siedlungswesen“, „Wirtschaft und Soziales“, „Einzelhandel und Nahversorgung“, „Natur und Landschaft, Grün- und Freiflächen“ sowie „Tourismus und Freizeit“. Weiterhin enthielt das Konzept erste Aussagen über Kooperationsmöglichkeiten der Städte, Märkte und Gemeinden sowie einzelne Überlegungen zur Umsetzung der Projekte in den genannten Handlungsfeldern. In der Folge wurde zum Erreichen einer effektiven Arbeitsstruktur zwischen Kooperation und Einzelkommune eine Unterscheidung in interkommunale und kommunale Aufgaben und Projekte vorgenommen. Für die Umsetzung der interkommunalen Aufgaben wurde 2008 ein Stadtumbau-Management von allen Kommunen beauftragt, wobei eine Leitkommune als Hauptansprechpartner und Abwicklungspartner dient. Den Auftrag des Managements erhielt ein externes Büro, das Personalressourcen in der Größenordnung von zwei Personalstellen zur Verfügung stellt und mindestens zweiwöchentliche Vor Ort-Präsenz garantiert. Die Koordinationsarbeit des Stadtumbau-Managements erfolgt in enger Zusammenarbeit mit einer regelmäßig tagenden Lenkungsgruppe, der die Bürgermeister der beteiligten Städte und Gemeinden angehören.

Aktueller Stand

Die Schwerpunkte der Arbeit beruhen erstens auf einem Leerstandsmanagement. Der Leerstand von Einzelhandels- und Gewerbeimmobilien sowie großflächige Industriebrachen ist sichtbare Folge des wirtschaftlichen Strukturwandels in der Region „Nördliches Fichtelgebirge“. Leer stehende Immobilien und brach liegende Flächen wurden als Potenzialflächen detailliert erhoben und durch eine besondere Kooperation kostenfrei in der Gewerbeflächendatenbank SISBY (Standort-Informations-System Bayern) aufgenommen. Neben der Erfassung und Veröffentlichung von Angeboten verfolgen die Kommunen damit das Ziel, die Wahrnehmung der Leerstände als Potenzial der Region zu schärfen. Dazu kommt die Förderung regenerativer Energien. Im Integrierten Entwicklungskonzept wurde ein interkommunales „Netzwerk Regenerative Energien“ projektiert. Fünf der neun Kommunen kooperieren daher bei der Erarbeitung eines durch das Bundesministerium für Umwelt geförderten Kommunalen Klimaschutzkonzeptes. Das Ziel dieses Konzeptes ist es, die Nutzung regenerativer Energien in der Region zu fördern und neue Wertschöpfungsmöglichkeiten zu erschließen. Des Weiteren arbeitet man zum Thema Tourismus zusammen. Das Stadtumbau-Management hat in Zusammenarbeit mit einem Beratungsunternehmen aus dem Touristikbereich touristische Pauschalangebote entwickelt, die von Fahrradferien über Porzellankurse bis zu Themenwanderungen reichen. Weiterhin konnte ein gemeinsamer Internetauftritt der neun Kommunen konzipiert und eine Personalstelle für Tourismusmarketing eingerichtet werden. Ein weiteres Thema ist die „Generation 1-2-3“. Wichtiges interkommunales Betätigungsfeld ist die Erarbeitung und Umsetzung eines Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzeptes. Im Rahmen des 2008 gestarteten Modellvorhabens konnte die Bedarfslage erhoben werden und durch Umfragen und Bürgerforen Handlungsansätze formuliert werden. Mit der Umsetzung des Konzeptes wird das Ziel verfolgt, die Attraktivität der Region für ältere Menschen und für junge Familien zu erhöhen. Zuletzt folgt das Thema Kommunikation. Die Außendarstellung der Kooperation „Nördliches Fichtelgebirge“ erfolgt zum einen über einen gemeinsamen Internetauftritt und zum anderen über die monatlich erscheinende Zeitschrift „Komm Mit!“, die über aktuelle Projekte, Veranstaltungen und sonstige Aktivitäten der Kooperation bzw. einzelner Kommunen informiert. „Komm Mit!“ wird kostenlos an alle Haushalte im Kooperationsraum verteilt.

Erzielte Effekte

2006 Erarbeitung des Interkommunalen Entwicklungskonzeptes „Zukunft Nördliches Fichtelgebirge“

2006 Veröffentlichung der ersten Ausgabe der Monatszeitschrift „Komm mit!“

2008 Start des interkommunalen Stadtumbau-Managements

2008 Start des Projektes „Generation 1-2-3“ mit Erstellung eines interkommunalen Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzeptes in der Region Nördliches Fichtelgebirge

2009 Durchführung eines interkommunalen Stadtumbau-Forums

2009 Start der Erarbeitung eines kommunalen Klimaschutzkonzeptes für fünf Gemeinden der Region Nördliches Fichtelgebirge

2011 Abschlusskonferenz des Projektes „Generation 1-2-3“ mit Vorstellung der Maßnahmen