Vision Rheintal

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Vision Rheintal
Sektor
Themenbereich Regionale Entwicklung
Staat Österreich
Bundesland Vorarlberg
Bezirk/Kreis
Projektpartner (Institutionen) Altach, Bildstein, Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Fraxern, Fußach, Gaißau, Götzis, Hard, Höchst, Hohenems, Kennelbach, Klaus, Koblach, Lauterach, Lochau, Lustenau, Mäder, Meiningen, Rankweil, Röthis, Schwarzach, Sulz, Übersaxen, Viktorsberg, Weiler, Wolfurt, Zwischenwasser, Land Vorarlberg, Interessengruppen im Rahmen von Foren
Kontaktperson(en) Martin Assmann
Projektwebsite http://www.vision-rheintal.at
Projektstart (Jahr) 2004
Rechts- und Organisationsform Projektstruktur:

Fachliche Ebene: Land, Gemeinden, externe ExpertInnen, Projektleitung Politische Ebene: Lenkungsausschuss, Rheintalkonferenz Beteiligung: Foren, Think-Tanks, Infoveranstaltungen, Medien inkl. Web Grundprinzip: In allen Gremien sind Land- und Gemeinden gleichberechtigt vertreten. Eigens eingerichtetes Projektbüro mit externer Projektleitung

Preise und Auszeichnungen

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Koordinaten: 47° 30' 10.95" N, 9° 44' 49.44" E

Problembeschreibung - Grund für die Kooperation

Das Vorarlberger Rheintal hat in den letzten 50 Jahren einen massiven Wandel erlebt. Die Bevölkerung ist von 140.000 EW auf ca. 240.000 EW angewachsen. In keiner anderen Region in Österreich gibt es eine vergleichbar starke Entwicklung in diesem Zeitraum. Das starke Bevölkerungswachstum schlägt sich auch in der Siedlungsentwicklung nieder. Die Zahl der Gebäude hat sich nahezu verdreifacht (1960: 19.096, 2001: 53.294). Die bebauten Flächen haben sich verachtfacht(!). Aus 29 verstreuten und durch ausgeprägte Freiräume von einander getrennte Gemeinden und „Städtle“ ist ein nahezu geschlossenes Siedlungsband von Bregenz bis Feldkirch entstanden. Ein noch stärkeres Ausufern der Siedlungsränder in die Grünbereiche konnte nur durch starkes Gegensteuern der Regionalplanung verhindert werden. Trotzdem ist das Verlassen bzw. der Eintritt in eine Gemeinde heute zumeist nur noch an den Ortschildern erkennbar.

Bedingt durch die stark erhöhte Mobilität ist es heute längst nicht mehr so, dass alle Bedürfnisse in der Wohngemeinde gedeckt werden. So wie sich verschiedenste wichtige Einrichtungen im Vorarlberger Rheintal (polyzentrisch) auf viele Standorte und Gemeinden aufteilen, nutzen wir das Rheintal heute als Ganzes. Wir wohnen im Grünen, arbeiten im Businesspark der Nachbargemeinde, nutzen die Kulturangebote in einer weiteren Gemeinde uvm.

Beschreibung

Im Beteiligungsprozess vision rheintal wird ein Leitbild zur räumlichen Entwicklung und regionalen Kooperation für das Vorarlberger Rheintal erstellt. Vision rheintal ist ein Projekt des Landes Vorarlberg und der Vorarlberger Rheintalgemeinden.

Schritte zur Errichtung der Kooperation

Interessanterweise war es ein Hochhausprojekt, das im Jahr 2000 der regionalplanerischen Diskussion im Vorarlberger Rheintal einen wichtigen Impuls gab. Am Ortsrand von Lustenau sollte mit 23 Etagen und 83m Höhe das bisher höchste Hochhaus in Vorarlberg errichtet werden. Es folgte eine in der Öffentlichkeit breit geführte Auseinandersetzung bez. der Höhenentwicklung von Gebäuden. Gekoppelt mit der Erkenntnis, dass sich eine regionale Betrachtung nicht nur auf die Höhenentwicklung beschränken kann, sondern den gesamten Bereich der Raumplanung umfassen sollte, zeigten sich langsam erste Konturen des Prozesses Vision Rheintal. Es folgte im Jahr 2003 eine Befragung von 89 "Schlüsselpersonen". Ziel dieser Befragung war es die "Meinungsausgangslage" zu sondieren. Als Ergebnis zeigte sich, dass die Zeit reif war, eine breit angelegte öffentliche Diskussion über die Zukunft des Rheintals zu führen. Die Initialverantwortung wurde dabei beim Land Vorarlberg gesehen. Es zeigte sich weiters, dass die Vision sowohl auf der Ebene des gesamten Rheintals, im Hinblick auf den Wettbewerb mit anderen Standortregionen zu entwickeln wäre, wie auch im Bereich der interkommunalen Zusammenarbeit der "zusammengewachsenen" 29 Vorarlberger Rheintalgemeinden.

Nach weiteren vertiefenden Vorbereitungen startete im Mai 2004 der Leitbildprozess Vision Rheintal. In den folgenden zwei Jahren sollte ein Leitbild zur räumlichen Entwicklung und regionalen Kooperation entwickelt werden. Dieser Prozess konnte im Sommer 2006 erfolgreich abgeschlossen und die Ziele, Leitsätze und Leitbilder der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Kernaussagen des Leitbildes zeigen das Rheintal der Zukunft als eine Region, in der

  • wichtige Einrichtungen der Bereiche Wirtschaft, Kultur, Bildung, Konsum, Freizeit und Verwaltung im Sinne einer ausgewogenen räumlichen Entwicklung auf verschiedene Standorte aufgeteilt (Polyzentrik) werden,
  • die Siedlungsränder gehalten werden und strukturierte und qualitätvolle Siedlungsentwicklung nach innen erfolgt,
  • die Erschließung insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln entscheidend dafür ist, wo welche Formen des Wohnens und Wirtschaftens stattfinden,
  • Freiräume zu einem grünen Netz für Landwirtschaft, Ökologie und Freizeit vernetzt sind und
  • hochwertige Wirtschaftsstandorte für innovative Produktionsunternehmen gesichert werden.

Die inhaltliche Bearbeitung erfolgte schwerpunktmäßig durch Fachteams. Ergänzt wurde die Bearbeitung durch eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung. Insgesamt haben über 800 Bürger, Experten, Gemeinde- und Landespolitiker und viele andere aktiv an diesem offenen Planungsprozess mitgearbeitet. Zahlreiche Möglichkeiten wurden dazu angeboten. Rheintalforen, Planungswerkstätten, Think Tanks, etc. gaben die Möglichkeit zu detaillierter Information und Diskussion, aber auch zur Erarbeitung von Zukunftsbildern und Visionen. Exkursionen im In- und Ausland eröffneten die Chance zur Auseinandersetzung mit erfolgreichen Projekten im In- und Ausland. Und in vielen Infoveranstaltungen in Gemeinden, bei diversen Interessensgruppen, Vereinen, etc wurde über Zwischenergebnisse informiert und wiederum viel Platz für Gespräch und Meinungsaustausch gegeben.

Diese von einer breiten Öffentlichkeit getragene Vision Rheintal – Diskussion war dann auch ausschlaggebend dafür, dass sich bereits im Frühjahr 2006 abzeichnete, dass der Prozess Vision Rheintal weitergeführt werden muss. Die Leitsätze und Leitbilder sollten nun konkretisiert und umgesetzt werden. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung war die offizielle Kenntnisnahme des Leitbildes durch das Land Vorarlberg. Den entsprechenden Beschluss fasste die Landesregierung am 12.9.2006. Die Gemeinde Zwischenwasser hatte einen ähnlichen Beschluss bereits vor dem offiziellen Erscheinen des Leitbildes im Mai 2006 gefasst, die meisten übrigen Gemeinden folgten im Herbst 2006 bis Frühjahr 2007.

Im Herbst 2007 konnte nach einer einjährigen "Zwischenphase", in der die Struktur im Hinblick auf die Weiterführung geklärt wurde, die Umsetzungsphase offiziell gestartet werden.

Finanzierung

Land Vorarlberg (fachliche Aufträge und Beteiligungsprozess), weitere Personalressourcen, Räumlichkeiten und Medien durch die Gemeinden

Stärken und Schwächen der Kooperation

Land und Gemeinden

Ein zentrales Anliegen des Projektes von Beginn an war, dass es sich um ein Projekt von Land und Gemeinden handeln muss. Es erschien als essentiell, die bisherigen hierarchischen Strukturen zu durchbrechen. Dinge sollten gemeinsam auf gleicher Augenhöhe erarbeitet werden. Also weder eine dirigistische Planung von oben durch das Land, noch eine ausschließliche Planung von unten durch die Gemeinden. Diese Bemühungen spiegeln sich in unterschiedlicher Weise in der Projektstruktur und dem Prozessverlauf wieder. So wurde der Lenkungsausschuss paritätisch mit Vertretern von Land und Gemeinden besetzt. Auch bei der Zusammenstellung der Fachteams war diese Ausgewogenheit ein wichtiger Aspekt. Und auch das Projektbüro wurde nicht im Landhaus, sondern außerhalb des „Regierungsgebäudes des Landes“ eingerichtet. Dass Land und Gemeinden an einem Strang ziehen wollen, zeigt sich am eindrücklichsten an der Rheintalkonferenz. Ein- bis zweimal jährlich treffen sich die Mitglieder der Landesregierung, die Landtagsabgeordneten des Rheintals, sowie die Bürgermeister/in der Rheintalgemeinden an einem runden Tisch, diskutieren die Ergebnisse aus dem laufenden Projekt und beraten die weiteren Schritte. Eine solche Institution hat es bis zum Beginn von Vision Rheintal nicht gegeben. Dabei hat die Rheintalkonferenz seit dem ersten Treffen im Februar 2005 einen großen Schritt nach vorne gemacht: Von einer beratenden Einrichtung, zu einem Gremium das auch Beschlüsse fasst. Auch der Vorsitz hat gewechselt. Zunächst durch die Projektleitung wahrgenommen, hat die Rheintalkonferenz mit einem Rheintal-Bürgermeister und dem für Raumplanung zuständigen Landesrat nun einen politischen Vorsitz. Die zunehmende politische Bedeutung der Rheintalkonferenz kommt dadurch klar zum Ausdruck.

Regionaler Kontrakt Rheintal

Regionaler Kontrakt Rheintal Von zentraler Bedeutung in diesem Zusammenhang ist der Beschluss des Regionalen Kontraktes Rheintal im Zuge der 5. Rheintalkonferenz. Aber auch für den weiteren Gesamtprozess stellt die Unterzeichnung des „Rheintalkontraktes“ den bisher größten Meilenstein dar. Das Land Vorarlberg und die 29 Rheintalgemeinden bekräftigen darin ihre gemeinsame Verantwortung für das Vorarlberger Rheintal und die Bereitschaft der Zusammenarbeit. Sie bekennen darin, das Projekt gemeinsam als offenen Prozess weiter zu führen. Das Land und die Gemeinden betrachten sich dabei als eine Region in ständigem Lernprozess und das erarbeitete Leitbild ist künftig als Richtschnur des Handelns heranzuziehen. Mit der Unterzeichnung des Rheintalkontraktes ist noch ein weiterer wichtiger Aspekt verbunden. Seitdem beteiligen sich die Gemeinden ebenso an den Kosten. Das Projekt wird nunmehr von Land und Gemeinden zu gleichen Teilen finanziert!

Pläne für die Weiterentwicklung

Um die notwendige Transparenz und erforderliche Flexibilität beizubehalten, wurde vereinbart Vision Rheintal als Projekt zunächst bis 2010 weiterzuführen. Als zentrale Zielsetzungen wurden die Umsetzung der im Leitbild genannten Ziele und Maßnahmen, die Aufbereitung der vordringlichsten Themen, die Weiterentwicklung der Rheintalkonferenz, sowie die Verankerung der Erkenntnisse aus dem bisherigen Prozess in möglichst vielen Köpfen definiert.

Wichtigste Erfolgsfaktoren bei der Kooperation

Zieht man heute eine Zwischenbilanz gilt es zu erkennen, dass dem Projektziel, nämlich das Vorarlberger Rheintal als einen Lebensraum zu erkennen und gemeinsam weiterzuentwickeln, ein großes Stück näher gekommen wurde. Die Verantwortung um den gemeinsamen Lebensraum wird verstärkt wahrgenommen. Gemeindekooperationen haben in vielfältigster Weise Impulse erhalten. Diverse Gemeindegrenzen überschreitende Projekte konnten gestartet werden oder sind im Entstehen. Dass das Ende der Entwicklung aber noch nicht erreicht wurde, dürfte jedoch ebenso klar sein. Und es werden sich mit Sicherheit noch zahlreiche Herausforderung ergeben, die es auf dem Weg zu "29 Gemeinden – ein Lebensraum" noch zu meistern gilt. Dass es sich lohnt solche Herausforderungen anzunehmen, an diesen zu arbeiten und diese letztlich auch zu meistern, dies hat Vision Rheintal bereits jetzt eindrücklich gezeigt.

Bereitschaft, andere beim Aufbau einer ähnlichen Kooperation zu unterstützen

Fragen zum Projekt können Sie gerne an Martin Assmann richten.